Behandlungsrisiken

Behandlungsrisiken oder Fragen: erläutert durch die Amerikanische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin, 2007

Ernste Komplikationen durch die Medikamente und die Behandlung während einer künstlichen Befruchtung sind selten. Aber wie bei allen medizinischen Behandlungen bestehen einige Risiken. Die meisten unfruchtbaren Frauen, die versuchen, durch IVF schwanger zu werden, benötigen Medikamente, die die Ovarien anregen um einen oder mehrere Follikel ( Eibläschen)  zu produzieren.


Mögliche Nebenwirkungen dieser Medikamente sind:

  1. Leichte Blutergüsse und Schmerzen an der Einstichstelle. Es kann helfen die Injektionsstelle zu wechseln.
  2. Allergische Reaktionen, Magen/ Darm-Probleme, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn eine dieser Nebenwirkungen auftritt.
  3. Ovarielles Überstimulationssyndrom (OHSS). Dabei bilden die Eierstöcke sehr viele Eibläschen (flüssigkeitgefüllte Bläschen, die eine Eizelle enthalten) und werden viel größer als normal.
  4. Das OHSS ist eine  mögliche Komplikation fast aller Stimulationspräperate. Normalerweise tritt eine leichte Form auf, die sich ohne Behandlung bessert. In schweren Fällen kann es zu stark vergrößerten Eierstöcken, Flüssigkeitsverschiebung und zur Ansammlungen großer Flüssigkeitsmengen im Bauchraum und den Lungen kommen. Sehr selten (weniger als 1 % der IVF- Behandlungen) führt OHSS zur Bildung von Thrombosen und Nierenversagen.

Das Risiko einer schweren Überstimulation kann verringert werden durch:

  1. Niedrigere Dosierung der Stimulationspräperate um die Reaktion der Eierstöcke zu reduzieren.
  2. Zurückhalten von Humanem Chorion Gonadotropin (HCG/Schwangerschaftshormon), zur Auslösung des Eisprungs und damit Abbruch des Zyklus, Gabe von Medikamenten, die das frühe OHSS vermindern (Dostinex).
  3. Durchführung der Eizellentnahme und Einfrieren aller Vorkernstadien für einen späteren Embryotransfer.

Eierstockkrebs?

Trotz einiger älterer Berichte, die Eierstockkrebs mit Stimulationspräparaten in Verbindung bringen, haben aktuelle Studien dafür keinen überzeugenden Beweis liefern können.

Eizellentnahme?

Bei der Eizellentnahme verwendet Ihr Arzt einen vaginalen Ultraschall, unter Ultraschallsicht wird eine lange, dünne Nadel durch die Vagina in die Ovarien und dann in jeden Follikel eingeführt um die Eizellen unter Sedierung (Tiefschlaf) oder Narkose abzusaugen.

Mögliche Risiken:

  1. Leichte bis mittlere Beschwerden/Unterbauchschmerzen mehrere Stunden nach dem Eingriff.
  2. Verletzung der eierstocknahen Organe, wie Blase, Darm oder Blutgefäße.
  3. Blutungen aus dem Eierstock oder den Beckengefäßen. Diese Blutungen sind normalerweise leicht und benötigen selten eine Bluttransfusion oder eine Operation.
  4. Beckenentzündung (leicht bis schwer). Solche Infektionen sind sehr selten. Wenn sie auftreten, könnte auch eine operative Maßnahme nötig sein um die entzündete Gebärmutter und/oder einen oder beide Eierstöcke und Eileiter zu entfernen.

Embryo Transfer?

Beim Embryo Transfer führt der Arzt mit oder ohne Ultraschallkontrolle einen Katheter durch die Scheide und den Gebärmutterhals in die Gebärmutterhöhle ein. Ein zweiter, kleinerer Katheter der die Embryonen enthält, wird durch den ersten, äußeren Katheter in die Gebärmutterhöhle eingeführt, und die Embryonen in die Gebärmutter transferiert.

Wenn der Arzt den Katheter durch den Gebärmutterhals einführt, können Sie einen leichten Krampf verspüren. Manchmal treten leichte Krämpfe, Blutungen oder Schmierblutungen auch nach dem Transfer auf. Sehr selten entwickeln sich Infektionen, die mit Antibiotika behandelt werden müssen.


Mehrlingsschwangerschaft?

Ihr Arzt hat Sie wahrscheinlich über das Mehrlingsrisiko (meist Zwillinge oder Drillinge) bei einer IVF/ICSI Behandlung aufgeklärt. Je mehr Embryonen in den Uterus transferiert werden, umso höher ist das Mehrlingsrisiko.

Mehrlingsschwangerschaften bringen erhebliche Risiken mit sich:

  1. Frühgeburt
  2. Mütterliche Blutungen
  3. Kaiserschnitt-Entbindung
  4. Bluthochdruck in der Schwangerschaft
  5. Schwangerschaftszucker (Diabetes),

Ihr Arzt sollte die kleinstmögliche Anzahl an Embryonen transferieren, um eine hohe Schwangerschaftswahrscheinlichkeit zu gewährleisten, das Risiko für eine Mehrlingsschwangerschaft aber möglichst niedrig zuhalten. Wenn Sie aber mit Mehrlingen schwanger werden, sollten Sie sich durch einen Pränatalspezialisten, der auf Risikoschwangerschaften spezialisiert ist, über etwaige Komplikationen beraten lassen. Sie können auch die Reduktion der Embryoanzahl in Betracht ziehen.


Kindliche Fehlbildungen?

Das Ziel einer IVF-Behandlung besteht darin, Ihnen zu einem gesunden Kind zu verhelfen. Im Vergleich mit spontanen Schwangerschaften scheint es kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen bei IVF Schwangerschaften zu geben.

Die Befruchtung durch das Einbringen eines einzelnen Spermiums in die Eizelle (ICSI), erhöht das Auftreten von Fehlbildungen im Vergleich zur IVF (wobei die Befruchtung durch das einfache Zusammenführen von Spermien und Eizellen geschieht) nicht. Da ICSI eine relativ neue Technik ist, erstmals 1992 ausgeführt, sind keine Langzeitdaten, die

Gesundheit und Fruchtbarkeit von ICSI- Kinder betreffend, vorhanden. Kinder aus spontanen Schwangerschaften haben ein 3-5 %-iges Fehlbildungsrisiko. Die meisten Studien über Geburtsdefekte bei IVF/ICSI – Kindern zeigen ähnliche Raten. Dennoch berichten manche Studien über ICSI- Kinder, von einem erhöhte Vorkommen seltener Defekte (bei <1% der IVF/ICSI Kinder), auch bekannt als Imprinting Störungen (einschließlich Beckwith-Wiedemann und Angelmann Syndrom), eine angeborene Fehlbildung, als Hypospadie bezeichnet (die Harnröhre befindet sich nicht am Ende sondern

an der Unterseite des Penis), oder Anomalien der Geschlechtschromosomen. Weil einige männliche Infertilitätsgründe

familiär gehäuft und genetisch bedingt sein können, ist es möglich, dass nachkommende Knaben auch Infertilitätsprobleme bekommen.

Trotz dieser Bedenken ist ICSI ein großer Fortschritt für die Behandlung schwerer männlicher Infertilitätsstörungen. Sie verhilft oft  Paaren, die sonst keine Schwangerschaftschance hätten, zu einer Schwangerschaft.


Fehlgeburt?

Die Fehlgeburtenrate nach IVF ist ähnlich wie in der Allgemeinbevölkerung. Das Risiko steigt mit dem Alter der Mutter. Für Frauen in den Zwanzigern ist sie mit 15 % niedrig. Bei Frauen in den Vierzigern steigt sie auf über 50 %. Das Risiko für ektope Schwangerschaften (die Einnistung erfolgt dabei außerhalb der Gebärmutter, z. B. im Eileiter, Eierstock oder der Bauchhöhle) beträgt 2-4 %. Wenn eine derartige, fehlerhafte Einnistung auftritt, wird diese durch Medikamente beendet oder durch eine Operation entfernt. Wenn Sie schwanger sind und einen schneidenden, stechenden Schmerz verspüren, Schmierblutungen oder Blutungen auftreten, unter Schwindel oder Ohnmacht, Rückenschmerzen oder niedrigem Blutdruck (durch Blutverlust) leiden, benachrichtigen Sie sofort Ihren Arzt. Alle diese Beschwerden können auf eine Bauchhöhlenschwangerschaft hindeuten.


Weitere Informationen zu den Risiken bei unerfülltem Kinderwunsch erfahren Sie über folgende Links.

Facts sheet von reproductiveFacts.org | www.reproductivefacts.org


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